"Wir brauchen keine Standardangebote, keine ,Ware von der Stange’, sondern eher die Leistung der ´Änderungsschneiderei´ vor Ort – individuell, direkt und ´anziehbar´".

Die im Jahre 1995 entwickelten „Neuen Wege in der Sozialpolitik“ von Erich Pipa, damals Sozialdezernent im Main-Kinzig-Kreis, und deren Weiterentwicklung bis heute, sind mehr als ein politisches Schlagwort. Sie beschreiben die arbeitsmarktpolitische Zielsetzung, möglichst schnell, praxisbezogen und passgenau langzeitarbeitslose Menschen in Arbeit und Brot zu bringen sowie dafür die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen.

Es war in diesem Zusammenhang klar, dass die im Sozialgesetzbuch II formulierte Absichtserklärung des „Förderns und Forderns“ nur dann funktionieren kann, wenn der Gesetzgeber auch die notwendigen Instrumente zur Verfügung stellt. Im alten Bundessozialhilfegesetz, das bis Ende 2004 seine Gültigkeit hatte, war die gesetzliche Regelung in diesem Bereich globaler bzw. allgemeiner formuliert. Sie ließ den betreuenden Kommunen die Spielräume, durch passgenaue Maßnahmen individuelle Lösungen zu schaffen.

Natürlich gibt es im Einzelfall auch totale Verweigerungshaltungen von Menschen, die mit dieser Methodik Erfolg haben, weil sie wissen, dass die humanitär eingestellte Gesellschaft Hunger und Not nicht zulassen wird. Der überwiegende Teil der Langzeitarbeitslosen im Main-Kinzig-Kreis  geschätzt 85 % – will arbeiten, kann aber aus mancherlei Gründen nicht. Das sei an dieser Stelle unterstellt.

Die politische Verantwortung liegt darin, zu erkennen, welches „Rüstzeug“ benötigt der langzeitarbeitslose Erwachsene oder der benachteiligte Jugendliche, um eine Arbeit oder Ausbildung aufnehmen zu können. Da kann es nicht sein, dass alle über einen „Kamm geschoren“ werden. Kurzzeitarbeitslose mit teilweise guten beruflichen Qualifikationen müssen anders vom Gesetzgeber behandelt werden, als Langzeitarbeitslose mit multiplen Vermittlungshemmnissen.

„Fördern und Fordern“ setzt daher den Integrationswillen beider Partner voraus. Der Betreuungsaufwand für benachteiligte Jugendliche oder langzeitarbeitslose Erwachsene ist ungleich höher, als für einen Menschen, der vorübergehend in die Arbeitslosigkeit geraten ist. Erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik in kommunaler Verantwortung bedeutet:

  • gezielt Vermittlungshemmnisse abbauen
  • Eignung feststellen, betreuen und passgenau qualifizieren
  • in ein reguläres Arbeitsverhältnis ohne Anspruch auf Zusatzleistungen vermitteln.

 

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