Geschichte Altenpflegehelfer
Erich Pipa zu Gast in der Qualifizierungsmaßnahme zum/-r Alten-
pflege
helfer/-in.

„Es muss uns gelingen, arbeitslosen und hilfebedürftigen Menschen möglichst schnell einen Arbeitsplatz zu besorgen! 

Und jeder benachteiligte Jugendliche erhält in einer Außerbetrieblichen Ausbildung bei uns die Grundlagen für ein selbstbestimmtes Leben ohne gesellschaftliche Ausgrenzung und staatliche Alimentation!“

Diese beiden Kernsätze gehören zum Leitbild einer aktiven Arbeitsmarktpolitik im Main-Kinzig-Kreis seit Mitte der 90er-Jahre, in einer Zeit, in der die Sozialhilfeleistungen regelrecht explodierten. Im Zuge dieser Entwicklung kam es bereits im Jahre 1996 auf Initiative des damaligen Sozialdezernenten und heutigen Landrats Erich Pipa unter dem Arbeitstitel „Neue Wege in der Sozialpolitik“ zu einer arbeitsmarktpolitischen Richtungsänderung auf kommunaler Ebene.

Und damit hatte auch das damalige Berufsbildungszentrum BBZ des Main-Kinzig-Kreises eine neue und erfolgversprechende Zweckbestimmung. Aber schauen wir zunächst zurück auf die Gründungsphase und die Anfänge der heutigen Beschäftigungsgesellschaft. Im November 1983 wurde das Berufsbildungszentrum aus der insolventen Straßenmaschinenbaufabrik Wibau durch Beschluss des Kreistages herausgelöst. 

Die Landesregierung hatte durch ein zinsloses Darlehen den Kauf ermöglicht. Etwa 50 Jugendliche konnten aufatmen: Durch diesen Ankauf war die Fortsetzung ihrer Ausbildung bis zur Abschlussprüfung gesichert. Zunächst wurde das Berufsbildungszentrum der Abteilung Aus- und Fortbildung des Main-Kinzig-Kreises angegliedert. Ein Jahr später wurden bereits 25 weitere Ausbildungsplätze im Rahmen eines Sonderprogrammes des Landes Hessen geschaffen, um benachteiligten Jugendlichen ohne Chancen auf dem regulären Ausbildungsmarkt den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. 1989 erfolgte die Erweiterung von Maßnahmen in Richtung zur Erwachsenenbildung durch Umschulungs- und Qualifikationsmaßnahmen für 30 Teilnehmer in den Übungswerkstätten.

Anfang ApriI 1991 erfolgte durch Kreistagsbeschluss die Gründung einer gemeinnützigen Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft – das Berufsbildungs- und Beschäftigungszentrum, kurz BBZ genannt.

 

Erich Pipas „Neue Wege in der Sozialpolitik“

Der damalige Sozialdezernent Erich Pipa erkannte bundesweit als einer der ersten Kommunalpolitiker die Möglichkeit einer aktiven Sozialpolitik durch das Prinzip des „Förderns und Forderns“. „Wir müssen die langzeitarbeitslosen Menschen und benachteiligten Jugendlichen in die Lage versetzen, dass sie durch Ausbildung und Qualifizierung wieder oder erstmalig den Zugang zum aktiven Erwerbsleben schaffen“, war die Devise von Pipa. Er scheute sich nicht, die flexiblen Möglichkeiten des damaligen Bundessozialhilfegesetzes im Sinne einer erfolgreichen Arbeitsmarktpolitik auszulegen.

Das Berufbildungs- und Beschäftigungszentrum BBZ schaffte zusammen mit den Modellteams des Kreissozialamtes in einigen ausgewählten Kommunen die Voraussetzung der passgenauen Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in den 1. Arbeitsmarkt und damit die Grundlagen für ein selbstbestimmtes Leben.

Durch Beschluss des Aufsichtsrates für ein neues Unternehmenskonzept Anfang des Jahres 1991 konnten die Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen neu ausgerichtet und präzisiert werden. Natürlich gehörten die Qualifizierungsmaßnahmen weiterhin zum Kerngeschäft der Beschäftigungsgesellschaft, im Gegenteil: Sie wurden auf weitere Berufsfelder ausgeweitet. Zu den Ausbildungsberufen wie Konstruktionsmechaniker, Holzmechaniker, Kaufmann/-frau für Bürokommunikation kamen immer weitere Berufsbildungs- und Förderlehrgänge hinzu. Es entstanden Projekte für Frauen sowie unterschiedliche Eingliederungs-, Trainings- und Beschäftigungsmaßnahmen. Als ein wichtiger Baustein als Zugang für den ersten Arbeitsmarkt erwies sich die im Jahre 1996 gegründete gemeinnützige Zeitarbeit als Bestandteil der Beschäftigungsgesellschaft. In Zusammenarbeit mit heimischen Industrie- und Handwerksbetrieben konnten teilweise über 60 Langzeitarbeitslose entliehen werden. Insgesamt gelang es im Laufe der Jahre fast 600 Menschen in eine dauerhafte Beschäftigung zu vermitteln.

 

Der Main-Kinzig-Kreis als selbstständige Optionskommune

Metzgerei Müller

In die Diskussion der Hartz-Debatte und der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe brachte sich Sozialdezernent und damaliger Aufsichtsratsvorsitzender Erich Pipa im Jahre 2004 erneut als Sachverständiger aktiv vor dem Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Arbeit in Berlin ein. Zusammen mit dem Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch war Pipa ein Wegbereiter für die Durchsetzung der Forderung, dass die Betreuung und Vermittlung langzeitarbeitsloser Menschen in die Verantwortung der Kommunen gehöre. Aus dieser arbeitsmarktpolitischen Intention gelang es über den Bundesrat das kommunale Optionsgesetz zu beschließen und über eine Experimentierklausel im Sozialgesetzbuch II insgesamt 69 Optionskommunen mit der Betreuung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen und benachteiligten Jugendlichen zu beauftragen. Der Main-Kinzig-Kreis wurde als Antragsteller von der Hessischen Landesregierung auf Platz 1 bei der Bewerbung um die kommunale Trägerschaft gegenüber der Bundesregierung gesetzt.

Diese gesetzlichen Vorgaben hatten natürlich ihre Auswirkungen auf das bisherige Berufsbildungszentrum BBZ. Am 01. Januar 2005 startete die gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung mbH (AQA) das BBZ ging in dieser Gesellschaft auf. Quasi über Nacht mussten 12.500 erwerbsfähige Langzeitarbeitslose aus dem Main-Kinzig-Kreis bei der AQA betreut werden. Dies war für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große Herausforderung. Zudem mussten schrittweise wegen des großen Personalbedarfs weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt werden. Außerdem wurden sowohl die Ausbildungs- und Qualifizierungswerkstätten als auch die Arbeitsvermittlung weiter ausgebaut: Die Regionalzentren für Arbeit in Maintal, Hanau, Schlüchtern und Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis sowie das Frankfurter Vermittlungsbüro wurden eröffnet. In der gewerblichen und kaufmännischen Qualifizierung und Ausbildung konnten durch Anmietung von Werkshallen und Büroflächen zusätzliche Angebote in Hanau-Wolfgang, dem Recyclingzentrum in Nidderau-Heldenbergen und am Standort Bad Soden-Salmünster geschaffen werden.

 

Die gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA) als Instrument aktiver Arbeitsmarktpolitik

Der Erfolgstrend der AQA hielt weiter an: Zum Ende ihres zweiten Geschäftsjahres 2006 hatte die kreiseigene Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung bereits die Marke von 3.000 Direktvermittlungen langzeitarbeitsloser Menschen in den ersten Arbeitsmarkt übersprungen.

Die im Gesellschaftsvertrag definierten Ziele sind bis heute unverändert geblieben. Eignungsfindungsmaßnahmen, Maßnahmen zum Abbau von Vermittlungshemmnissen, die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher und die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen gehören weiter zum Kerngeschäft der Gesellschaft. In eigenen Qualifizierungs- und Ausbildungswerkstätten und in Kooperation mit externen Bildungsträgern werden bis heute Männer und Frauen, deren Einstiegschancen in den ersten Arbeitsmarkt durch längere, verfestigte Arbeitslosigkeit oder fehlende Ausbildung gering sind, fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Geschultes Fachpersonal engagiert sich in der Betreuung und Beratung von langzeitarbeitslosen Menschen sowie für Jugendliche ohne berufliche Perspektiven und setzt damit die Zielsetzungen der Gesellschaft in die Praxis um.

 

AQA  und KCA erfüllen die Aufgaben des Main-Kinzig-Kreises als zugelassenen kommunalen Träger

Ab dem 01.01.2010 konnte die Forderung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) umgesetzt werden, die Eingliederungsleistungen der Beschäftigungsgesellschaft von den Verwaltungskosten organisatorisch zu trennen. Die Gründung des „Kommunalen Centers für Arbeit“ als „Anstalt öffentlichen Rechts“ (KCA) und die Rückführung der AQA zu einer gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft als Maßnahme-GmbH erfüllen diesen Anspruch.

Aufgaben des Fallmanagements, der Leistungssachbearbeitung sowie der Arbeitsvermittlung nach dem Sozialgesetzbuch II werden im KCA organisiert und umgesetzt. Über einen Dienstleistungsvertrag zwischen dem Kommunalen Center für Arbeit (MKK) und der gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung werden im Rahmen eines Inhouse-Geschäftes alle internen und externen Eingliederungsleistungen ab 01.01.2009 abgewickelt. Landrat Erich Pipa führte den Vorsitz im Aufsichtsrat der AQA und im Verwaltungsrat des KCA bis zum 31.03.2014 und übergab zum 01.04.2014 das Amt an die Erste Kreisbeigeordnete Frau Susanne Simmler. Seit dem 01.01.2010 berät der Beirat für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsförderung des Main-Kinzig-Kreises das KCA und die AQA bei der Auswahl und Gestaltung der Eingliederungsmaßnahmen und -instrumente. Im September 2011 übernahm Herr Helmut Geyer den Vorsitz von Herrn Landrat a. D. Hans Rüger, der diesen bis dahin inne hatte. Seit der Neukonstituierung des Beirats im September 2016 leitet Herr Lothar Klemm dieses Gremium.

Im Focus beider kreiseigenen Einrichtungen steht weiterhin das Ziel, langzeitarbeitslosen Menschen unter dem Motto „Fördern und Fordern“ passgenau Lebensperspektiven ohne staatliche Alimentation zu ermöglichen. Die AQA wird hierfür in Zukunft weiterhin ihr Angebot für berufliche Eingliederungsmaßnahmen ausbauen, um ein möglichst vielseitiges und vielfältiges, am jeweiligen Bedarf orientiertes Angebot an Qualifizierungs- und Ausbildungsmaßnahmen zu ermöglichen.

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